Temelín (ETE) ist ca. 50 km von der österreichischen Grenze entfernt, etwa 60 sind es zur deutschen. Während auf tschechischer Seite von einem idealen Standort die Rede ist, kann nicht unerwähnt bleiben, dass das Kraftwerk in der Nähe zu zwei noch relativ unerforschten Bruchlinien liegt und es immer wieder auch zu Erdbeben kommt, wie zuletzt 2024 (3,9 auf der Richterskala).
Im ursprünglichen Projektplan von 1980 waren vier Reaktorblöcke des sowjetischen Designs WWER 1000/320 (Druckwasser-Reaktoren à 1000 MWe) vorgesehen. Im Jahr 1990, ein Jahr nach der Wende, wurde die Projektgröße jedoch halbiert, sodass nur zwei Reaktorblöcke à 1000 Mwe auf einem Gelände von 1,45 km2 gebaut wurden. – Das auch unter massivem Protest von österreichischer Seite.
Zentraler Punkt in der Argumentation gegen eine vollständige Umsetzung des AKW-Projekts war von Anfang an die Frage der Wirtschaftlichkeit und damit verbunden die endlose und finanziell intensive Verzögerung.
Obwohl es sich um den damals modernsten sowjetischen Reaktortyp handelte, entsprachen das Design in vielen Belangen nicht den internationalen Standards, vor allem im Hinblick auf die Sicherheitssysteme. Mit den nötigen Änderungen wurde die vorwiegend US-amerikanische Firma Westinghouse beauftragt. – Es entstand eine Mischung aus Ost- und West-Technologie und selbst die tschechische Atomaufsichtsbehörde äußerte Zweifel an der Sicherheit von Temelín.
Zentraler Punkt in der Argumentation gegen eine Fertigstellung des AKW ist die Frage der Wirtschaftlichkeit und damit verbunden die endlose und finanziell intensive Verzögerung des Projektes. Der jüngste offizielle Termin zu der mehr als zehnmal verschobenen Inbetriebnahme ist das Jahr 2001.
Als Besitzer und Projektbetreiber in Temelín fungiert ČEZ, der tschechische Energieversorger und größter Energiekonzern in Mittel- und Osteuropa. Großteils in Staatsbesitz scheiterte 2002 eine versuchte Privatisierung, aktuell (2025) gibt es Bestrebungen für eine vollständige Verstaatlichung.
Baukosten und Sicherheit
1983 wurde mit den Vorbereitungsarbeiten für insgesamt vier Reaktorblöcke begonnen, 1987 das Fundament gelegt. Die Inbetriebnahme sollte ursprünglich 1991 erfolgen. Von Anfang an litt das Projekt aber unter massiven zeitlichen Verzögerungen und Kostenüberschreitungen.
Zwischen 1990 und 1992 untersuchte die IAEA (Internationale Atomenergie-Organisation) mehrmals das Projekt Temelín und listete eine Reihe von Empfehlungen die Sicherheitsmaßnahmen betreffend auf. 1993 stand schließlich fest, dass die Blöcke 1 und 2 mit westlicher Hilfe fertiggestellt werden sollten. Nach Ausschreibungen wurde für die Nachrüstung schließlich Westinghouse beauftragt.
Kostenvoranschlag: 330 Mio. Dollar! Dieser Betrag wurde 1994 durch die US Export-Import-Bank (EXIM Bank) mittels Kreditgarantie gedeckt. Allerdings explodierten die Projekt-Kalkulationen seit der Involvierung von Westinghouse beständig und der Projektbetreiber ČEZ war unter anderem deswegen gezwungen, einen neuen Kredit zu beantragen. Im November 1998 wurde schließlich ein weiterer Kreditvertrag mit der Deutschen Bank, der Bayrischen Landesbank und der Sumitomo Bank Ltd. unterzeichnet.
Wie bei Atomprojekten üblich kam es immer wieder zu unfassbaren Kostenüberschreitungen: Waren ursprünglich 28 Mrd. Kronen veranschlagt, betrugen die Kosten 1999 schon zwischen 110,7 und 112,2 Mrd. CZK.
Die Inbetriebnahme von Block 1 erfolgte im Oktober 2000, die von Block 2 im April 2003.
Von Anfang an galt das AKW als besonders anfällig für Störungen. – Im März 2007 wurde bereits der 110. Störfall gemeldet.
Der Operating Factor, die Zeit, in der Strom produziert werden kann, liegt auch heute noch bei beiden Blöcken deutlich unter 80 %.
Anfangs mit Brennstäben von Westinghouse beliefert, kam der Brennstoff (wie auch der für den zweiten Standort Dukovany) ab 2010 vom russischen Anbieter TWEL (auch TVEL JSC), einer Tochter vom Staatsbetrieb Rosatom. Seit 2024 wird er wieder von Westinghouse und dem französischen Framatome bezogen.
Sicherheitsmängel des AKW Temelín
Die beiden sowjetischen Druckwasserreaktoren vom Typ WWER 1000/320 mit einer ursprünglichen Nettoleistung von 892 MWe je Reaktor (heute auf 1027 bzw. 1029 Mwe gesteigert) waren zwar aus der neuesten Serie sowjetischer Konstruktion, wiesen aber im Vergleich zu westlichen Reaktoren deutliche Mängel auf.
Durch ihre kompakte Bauweise werden sie extrem beansprucht, sind schwer zu regeln und deshalb äußerst instabil. Hinzu kommen Probleme mit dem Abschaltsystem, dem Notkühlsystem und dem Druckkessel an sich.
Zum Vergleich: Die Fertigstellung des AKW Stendal in der ehemaligen DDR mit dem gleichen Reaktortyp wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgebrochen. Eine Nachrüstung auf deutschen Standard – veranschlagt mit 3,2 – 4,7 Mrd. DM (1 DM = ca. 0,5 EUR) – wäre zu teuer gekommen. Im Gegensatz dazu sollte Temelín aber mit umgerechnet ca. 1,3 Mrd. DM pro Block den nötigen Standard erreichen. Gemeinsam mit Westinghouse wollte die tschechische Regierung das AKW nun fertigstellen. Erstmalig eine Mischung von ost- und Westtechnologie bereits in der Bauphase!
Die amerikanische Firma Westinghouse hatte unter anderem folgende Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen:
- Lieferung von Reaktorsteuerungssystemen
- Schutz- und Sicherheitssysteme
- Steuerung der Hilfskreise
- Steuerung des Informationssystems
Dabei mussten natürlich immer wieder die entsprechenden Standards, d.h. die amerikanischen, russischen, europäischen und auch tschechische, berücksichtigt werden, was nicht immer möglich war. Teile des AKW mussten komplett neu entworfen werden, wogegen man andere Bereiche weiterhin nach den ursprünglichen Plänen fertigstellt hat. Ein Konglomerat aus über 60 Firmen versuchte ohne jegliche Gesamtkoordination diese Aufgabe zu erfüllen.
Die tschechische Atomaufsichtsbehörde (SÚJB) hat auch hierbei eine Reihe von Mängeln festgestellt. So wurden elektrische Bauteile unsachgemäß im Freien gelagert, Montagebedingungen austenitischer (rostfreier) Materialien bzw. grundsätzliche Richtlinien für das Schweißen beim Primärkreislauf nicht erfüllt. Darüber hinaus entdeckten Vertreter der Fa. Westinghouse, dass Datenleitungen zu nahe an Starkstromleitungen verlegt wurden, wodurch es zu elektromagnetischen Impulsen kommen kann. Eine Untersuchung einer internationalen Expertenkommision war aber von der ČEZ aus „Gründen der Wahrung des Betriebsgeheimnisses“ nicht erwünscht.
In einem Gutachten (2013) wurde festgestellt, dass unter anderem auch Schweißnähte nicht sachgemäß ausgeführt wären. – Stahl wird durch die Neutronenbestrahlung mit der Zeit immer spröder, eine Nachbesserung, bzw. ein teilweiser Austausch wird von der SÚJB aber als nicht nötig erachtet.
Ausbau
Die beiden sowjetischen Druckwasserreaktoren vom Typ WWER 1000/320 mit einer ursprünglichen Nettoleistung von 892 MWe je Reaktor (heute auf 1027 bzw. 1029 Mwe gesteigert) waren zwar aus der neuesten Serie sowjetischer Konstruktion, wiesen aber im Vergleich zu westlichen Reaktoren deutliche Mängel auf.
Durch ihre kompakte Bauweise werden sie extrem beansprucht, sind schwer zu regeln und deshalb äußerst instabil. Hinzu kommen Probleme mit dem Abschaltsystem, dem Notkühlsystem und dem Druckkessel an sich.
Zum Vergleich: Die Fertigstellung des AKW Stendal in der ehemaligen DDR mit dem gleichen Reaktortyp wurde aus wirtschaftlichen Gründen abgebrochen. Eine Nachrüstung auf deutschen Standard – veranschlagt mit 3,2 – 4,7 Mrd. DM (1 DM = ca. 0,5 EUR) – wäre zu teuer gekommen. Im Gegensatz dazu sollte Temelín aber mit umgerechnet ca. 1,3 Mrd. DM pro Block den nötigen Standard erreichen. Gemeinsam mit Westinghouse wollte die tschechische Regierung das AKW nun fertigstellen. Erstmalig eine Mischung von ost- und Westtechnologie bereits in der Bauphase!
Die amerikanische Firma Westinghouse hatte unter anderem folgende Verbesserungsmaßnahmen durchzuführen:
Lieferung von Reaktorsteuerungssystemen
Schutz- und Sicherheitssysteme
Steuerung der Hilfskreise
Steuerung des Informationssystems
Dabei mussten natürlich immer wieder die entsprechenden Standards, d.h. die amerikanischen, russischen, europäischen und auch tschechische, berücksichtigt werden, was nicht immer möglich war. Teile des AKW mussten komplett neu entworfen werden, wogegen man andere Bereiche weiterhin nach den ursprünglichen Plänen fertigstellt hat. Ein Konglomerat aus über 60 Firmen versuchte ohne jegliche Gesamtkoordination diese Aufgabe zu erfüllen.
Die tschechische Atomaufsichtsbehörde (SÚJB) hat auch hierbei eine Reihe von Mängeln festgestellt. So wurden elektrische Bauteile unsachgemäß im Freien gelagert, Montagebedingungen austenitischer (rostfreier) Materialien bzw. grundsätzliche Richtlinien für das Schweißen beim Primärkreislauf nicht erfüllt. Darüber hinaus entdeckten Vertreter der Fa. Westinghouse, dass Datenleitungen zu nahe an Starkstromleitungen verlegt wurden, wodurch es zu elektromagnetischen Impulsen kommen kann. Eine Untersuchung einer internationalen Expertenkommision war aber von der ČEZ aus „Gründen der Wahrung des Betriebsgeheimnisses“ nicht erwünscht.
In einem Gutachten (2013) wurde festgestellt, dass unter anderem auch Schweißnähte nicht sachgemäß ausgeführt wären. – Stahl wird durch die Neutronenbestrahlung mit der Zeit immer spröder, eine Nachbesserung, bzw. ein teilweiser Austausch wird von der SÚJB aber als nicht nötig erachtet.

