Der Euratom-Vertrag beinhaltet, dass die Kommission regelmäßig ein hinweisendes Nuklearprogramm (PINC) veröffentlicht.
Dieses informiert – in groben Worten – über die Rolle, die Atomkraft in den nächten Jahren in Europa spielen soll und Investitionsvorhaben:
Bis zum 12. Mai bestand die Möglichkeit, dazu Stellung zu nehmen und auch das Anti Atom Komitee hat davon Gebrauch gemacht.
Stellungnahme:
Es steht für uns außer Frage, dass die Atomindustrie gar keinen relevanten Beitrag zur Energieversorgung leisten kann.
1. Risiken und Sicherheit: Keine andere Form der Energiegewinnung hat das Potenzial, derart dauerhafte Schäden zu verursachen. Das Alter der vorhandenen Reaktoren, viele sollten bereits abgeschaltet sein, gefolgt von ständigen Laufzeitverlängerungen, erhöht die Gefahr eines ernsten Zwischenfalls.
Europa ist dicht besiedelt. Bei der relativ kleinen Fläche könnte ein Unfall weite Teile des Kontinents beeinträchtigen. Atomanlagen sind nicht sicher genug und mögliche Schäden zu hoch um versicherbar zu sein. – Wer haftet?
Ein AKW produziert große Mengen Energie an einem Ort, was solche Anlagen als Ziel für Angriffe aller Art attraktiv macht.
Wird ein AKW heruntergefahren, wird es zum Verbraucher. Dieser Ausfall von Energie muss erst wieder aus anderen Quellen kompensiert werden. Der Mythos von der Grundlast hält dem nicht stand. Wir sehen die Grundlastsicherung vorwiegend im Ausbau der Speichermöglichkeiten Erneuerbarer.
2. Zeit: Der Energiebedarf steigt und fossile Energieträger sollen ersetzt werden. Die erforderliche Energiemenge wird jetzt benötigt. Es dauert viele Jahre, ein AKW zu errichten. Angeblich neue Technologien wie Thoriumreaktoren, „SMR“ oder gar „AMR“ sind real auf Jahrzehnte nicht abrufbar sondern befinden sich bestenfalls in der Entwicklung. Bis neue AKWs gebaut wären oder vorgeblich neue Technologien umgesetzt werden könnten, müssen die Energie- und Klimaprobleme längst gelöst sein.
3. Kosten: Atomstrom ist teuer, aufwendig und muss – für private Investoren uninteressant – öffentlich finanziert werden. Das behindert den Ausbau und die Weiterentwicklung bereits umsetzbarer erneuerbarer Möglichkeiten. Prognostizierte Kosten werden zudem regelmäßig und deutlich, teils um ein Vielfaches, überschritten.
4. Abhängigkeiten: In Europa wird kein Brennstoff abgebaut sondern muss von anderen Kontinenten importiert werden. Uran ist bei stetig steigenden Preisen nur begrenzt verfügbar. Mit einem Ausbau der Atomenergie und damit wachsender Nachfrage wären auch weiter steigende Betriebskosten vorprogrammiert.
5. Klima: Atomkraft ist nicht CO2-neutral. Bei Bau, Rückbau und bei der Brennstoffgewinnung werden hohe Mengen Treibhausgas produziert. Zudem wird enorm viel Thermische Energie zusätzlich erzeugt anstatt die vorhandene zu nutzen. Die Kühlung erfordert große Mengen an Wasser, alternative Methoden bergen weitere Nachteile.
6. Radioaktive Abfälle: Was mit den hochradioaktiven Abfällen geschehen soll, ist ungeklärt. Ein „Endlager“, wo Atommüll über hunderttausende von Jahren gelagert werden kann, ist wahrscheinlich nicht machbar. Häufiger fallen nun Begriffe wie „Tiefenlager“ oder „Dauerlager“. Wer sollte solche Deponien bereits in einigen Jahrhunderten im Auge behalten?
Partitionierung und Transmutation in weniger gefährliche Stoffe ist trotz bisweilen gegenteiliger Meldungen und jahrzehntelanger Forschung nicht einmal im Labor machbar. Wie wäre die Energiebilanz?
Wir betrachten Atomkraft als Geschäftsmodell, von der Entwicklung bis zur Entsorgung, bei dem nur wenige auf Kosten aller profitieren können und als bestenfalls irrelevant für die Energieversorgung.

